Geplante EU-Abgasnorm 7 – das Aus für Verbrennungsmotoren?

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Die EU-7-Norm könnte das Ende von Autos mit Verbrennungsmotoren bedeuten – und das schon ab 2025. Die EU will die CO2-Grenzwerte verschärfen, um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens einhalten zu können. Die Bild am Sonntag hat über eine Studie im Auftrag der EU-Kommission berichtet, die den Entscheidern in der Kommission für die neue Euro-7-Abgasnorm viel strengere Regeln empfiehlt als die Grenzwerte der Abgasnorm Euro 6. Die Euro-7-Norm soll für deutlich umweltfreundlichere Autos sorgen.

Euro-6-Fahrzeuge gelten als die saubersten Autos auf den Straßen – doch bereits für 2021 ist die schärfere Euro-7-Norm geplant. Eine aktuelle Studie gibt dafür extrem niedrige Schadstoff-Grenzwerte vor. Die 66-seitige Studie wurde von Experten aus ganz Europa durchgeführt und empfiehlt noch strengere Vorgaben als erwartet.

Im Kampf gegen die hohe Abgasbelastung und zur Eindämmung des Klimawandels will die EU-Kommission mit gutem Beispiel vorangehen und schon im Jahr 2050 klimaneutral sein. Das bedeutet eine Reduktion der Netto-Emissionen auf Null. Bisher ist noch nicht entschieden, wann die Euro-7-Norm eingeführt wird, geplant ist allerdings, die strenge Abgasregel ab 2021 für Neufahrzeuge verpflichtend zu machen.

Kriegserklärung an Diesel und Benziner

Kritiker sehen in der Euro-7-Norm eine Kriegserklärung an Diesel und Benziner und befürchten, dass die neue Regelung das Ende von Dieselfahrzeugen und Benzinern bedeutet. Um die strengen Vorgaben erfüllen zu können, müssen die Autobauer die Reinigung der Verbrennungsgase effektiver gestalten, was mit hohem Aufwand und erheblichen Kosten verbunden wäre.

„Mit der Einführung der geplanten EU-7-Norm wird die EU-Kommission Autos mit Verbrennungsmotor ab 2025 de facto verbieten“, kommentiert Hildegard Müller, Chefin des Branchenverbandes VDA, die EU-Pläne gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Die Kommission will vorschreiben, dass künftig ein Fahrzeug in jeder Fahrsituation quasi emissionsfrei bleiben muss – sei es mit Anhänger am Berg oder im langsamen Stadtverkehr. Das ist technisch unmöglich und das wissen auch alle“, kritisiert Müller das EU-Vorhaben.

Damit kämen die geplanten Verschärfungen einem Verbot von Autos mit Verbrennungsmotoren gleich. Statt eines Verbots bräuchten wir Innovationen und Investitionen in E-Fuels und die Brennstoffzelle. Das Problem sei nicht der Verbrenner, sondern der Kraftstoff. Die EU setze den Schwerpunkt auf Elektromobilität. „Bislang fehlt es aber an einer ausreichenden Ladeinfrastruktur für die neuen E-Autos – und zwar in ganz Europa“, so Müller weiter.

Zulässige Stickoxid-Werte werden massiv gesenkt

Neuwagen sollen künftig nur noch 30 Milligramm Stickoxide pro Kilometer emittieren dürfen. Ein zweiter Entwurf schlägt sogar nur noch 10 mg pro Kilometer vor. Bisher liegen die Grenzwerte für Diesel-Fahrzeuge bei 80 mg Stickoxide pro Kilometer und bei Benzinern sind 60 mg erlaubt. In Zukunft sollen für Benziner und Dieselfahrzeuge dieselben Vorgaben gelten. Die neuen Grenzwerte gelten unabhängig von der Antriebsart.

Die Autoren der Studie schlagen außerdem vor, den RDE (Real Drive Emissions)-Test zu verschärfen, der die Einhaltung der Grenzwerte im Fahrbetrieb misst. Autos müssten die vorgegebenen Grenzwerte dann nicht mehr nur bei Temperaturen von minus 10 bis plus 40 Grad einhalten, sondern jederzeit – auch in 1000 oder 2000 Meter Höhe und mit Dachbox, Fahrradträger oder Anhänger.

Auf Grundlage der Studie wird bis 2021 ein Vorschlag der EU-Kommission erarbeitet, dem das EU-Parlament zustimmen muss. In Berlin liegt die Zuständigkeit bei Umweltministerin Svenja Schulze. Am Dienstag beschäftigt sich ein Auto-Gipfel mit Bund, Ländern, Branchenvertretern und Gewerkschaften mit dem Thema Elektromobilität. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will Elektromobilität fördern und setzt sich für eine Verlängerung der sogenannten Innovationsprämie für E-Autos bis 2025 ein.

Der erhöhte Umweltbonus gilt derzeit nur bis Ende 2021. Seit 2016 soll der Umweltbonus den Verkauf von E-Autos und Plug-in-Hybriden in Deutschland ankurbeln. Im Zuge des Corona-Konjunkturpakets wurde er noch einmal erhöht – und die Zahl der Förderanträge ist seitdem deutlich gestiegen.

Was sollten Autofahrer jetzt tun?

Besitzer von Benzinern und Dieselfahrzeugen sind von den Neuerungen nicht betroffen. Sie dürfen weiterfahren – es sei denn, ihre Fahrzeuge sind von Rückrufen des KBA betroffen. Wer ein vom Abgasskandal betroffenes Fahrzeug fährt, sollte sich jetzt anwaltlich beraten lassen.

Die Kanzlei VON RUEDEN vertritt im Abgasskandal bundesweit mehr als 12.000 Dieselfahrer gegen die Autohersteller. Besitzer eines betroffenen Diesel-Modells können unsere kostenlose Erstberatung nutzen. Wir informieren Sie gern individuell zu Ihren Ansprüchen und unterstützen Sie bei der Durchsetzung Ihrer Rechte.