Rote Ampel überfahren und geblitzt: Wann lohnt sich ein Einspruch?

Lagen technische Fehler bei einem Ampelblitzer vor, kann sich ein Einspruch lohnen.

Rotlichtverstöße durch Fahrzeugführer bergen ein enormes Gefahrenpotenzial für den Fahrer sowie andere Verkehrsteilnehmer und dürfen nicht unterschätzt werden. Ampeln an besonders unfallgefährdeten Kreuzungen können mit Rotlicht-Blitzern ausgestattet sein. Wenn ein Verkehrsteilnehmer dann bei Rot die Haltelinie überfährt, löst der Blitzer aus. Doch nicht immer sind das Auslösen des Blitzers und der darauf folgende Bußgeldbescheid gerechtfertigt. In manchen Situationen kann sich ein Einspruch gegen den Bußgeldbescheid lohnen.

Welche Einspruchsgründe kann es geben?

  • Nummernschild oder Fahrer nicht erkennbar
  • Gelbphase zu kurz
  • Erste Induktionsschleife falsch platziert
  • Einem Blaulichtfahrzeug im Einsatz ausweichen

Unscharfes Foto: Nummernschild nicht erkennbar

Nicht über jedes Blitzerfoto lassen sich Fahrzeug und Fahrzeugführer eindeutig identifizieren. Lässt das Blitzerfoto den Fahrer oder das Nummernschild nicht zweifelsfrei erkennen, sollte der Betroffene in Erwägung ziehen, einen Rechtsanwalt für Verkehrsrecht zu beauftragen. Je schlechter die Fotoqualität, umso höher die Chance, mit einem Einspruch Erfolg zu haben. Der geblitzte Fahrer, der eine rote Ampel überfahren hat, sollte sich jedoch nicht zu früh über ein unscharfes Foto freuen. Meist hat die Behörde ein Blitzerfoto mit einer besseren Qualität in der Akte. Ein Rechtsanwalt kann Akteneinsicht erhalten und beurteilen, ob das Foto der Behörde den Fahrer eindeutig zeigt.

Falls dem Bußgeldbescheid gar kein Blitzerfoto beigefügt wurde, heißt das noch nicht, dass kein Bild vom Fahrer beim Rotlichtverstoß existiert. Die Bußgeldbehörden verschicken ihre Bescheide aber meist dann ohne Foto, wenn es von schlechter Qualität und dementsprechend angreifbar ist. Daher lohnt es sich in diesen Fällen immer, das Foto anzufordern und von einem Anwalt für Verkehrsrecht bewerten zu lassen.

Lassen sich Punkte, Bußgeld oder ein Fahrverbot verhindern?

Machen Sie den kostenfreien und unverbindlichen Test.

Jetzt kostenlos prüfen

Verdecktes Gesicht und Fahrer nicht eindeutig identifizierbar

Der betroffene Fahrer muss auf dem Blitzerfoto einwandfrei identifizierbar sein. Einer zweifelsfreien Identifizierung kann ein verdecktes Gesicht – beispielsweise durch eine Sonnenbrille oder eine Sonnenreflexion auf der Windschutzscheibe – entgegenstehen. Erhebt ein Fahrer Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid wegen einer überfahrenen roten Ampel, muss er damit rechnen, dass der Richter sich ausgiebig mit dem Blitzerfoto beschäftigen wird. Dabei vergleicht er die charakteristischen Merkmale im Gesicht des beschuldigten Fahrers und der Person auf dem Foto. Es hängt stark vom Einzelfall ab, ob ein verdecktes Gesicht zur Ungültigkeit des Fotos führt.

Blitzer falsch ausgelöst: Gelbphase zu kurz

War die Gelbphase einer Ampel zu kurz, hatte der Autofahrer nicht genug Zeit, um zu reagieren und rechtszeitig zu halten. Ein darauf folgender Bußgeldbescheid wegen des versehentlichen Rotlichtverstoßes ist dann nicht gerechtfertigt. Auch hier kann ein Einspruch sinnvoll sein. Die Dauer der Gelbphase ist geregelt und hängt von der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke ab:

Zulässige Höchstgeschwindigkeit Gelbphase
Bei 50 km/h 3 Sekunden
Bei 60 km/h 4 Sekunden
Bei 70 km/h 5 Sekunden
Zulässige Höchstgeschwindigkeit Gelbphase
Bei 50 km/h 3 Sekunden
Bei 60 km/h 4 Sekunden
Bei 70 km/h 5 Sekunden

Es kann durchaus sein, dass durch eine Veränderung der Beschilderung eine höhere Geschwindigkeit zulässig ist, die Dauer der Gelblichtphase aber nicht an die höhere Geschwindigkeitsgrenze angepasst wurde.

Ob die Gelbphase zu kurz war, lässt sich mittels eines sogenannten Ampelphasenplanes oder eines Sachverständigengutachtens nachweisen. Es lohnt sich, einen Anwalt für Verkehrsrecht zu kontaktieren, damit er alle in Frage kommenden Unwirksamkeitsgründe überprüft. Er kann auch ermitteln, ob die Rechtsschutzversicherung die Kosten für das Gutachten übernimmt.

Lassen sich Punkte, Bußgeld oder ein Fahrverbot verhindern?

Machen Sie den kostenfreien und unverbindlichen Test.

Jetzt kostenlos prüfen

Bei Rot geblitzt: falsch platzierte oder fehlerhafte Induktionsschleife

Der Ampelblitzer funktioniert mithilfe von Induktionsschleifen. Diese Schleifen werden in einem festgelegten Abstand in den Straßenbelag eingelassen. Sie lösen in der Regel erst beim Überfahren der Haltelinie aus. Überfährt der Fahrer bei roter Ampel auch die Grenze zum Gefahrenbereich und fährt auf die Kreuzung oder den Bahnübergang, begeht der Fahrer einen Rotlichtverstoß und ein Blitzerfoto wird geschossen.¹ Beim Überqueren der Schleife ist es gleichzeitig möglich, die Geschwindigkeit des Fahrers zu bestimmen.

Es kann vorkommen, dass die Induktionsschleifen in falschen Abständen platziert worden sind. Zudem sind die Schleifen empfindlich gegenüber Hitze oder großem Gewicht durch schwere Lasttransporter und können dadurch Schaden nehmen. Daher sollten die Induktionsschleifen regelmäßig durch die zuständige Eichbehörde kontrolliert werden. Liegt kein gültiger Eichschein vor, kann der geblitzte Fahrer die Messung anfechten.

Im Jahr 2008 zum Beispiel musste die Stadt Düsseldorf acht Radarfallen an Ampeln abschalten. Die Gründe dafür waren die fehlende Zulassung für das Gerät und falsch platzierte Induktionsschleifen.

Rote Ampel überfahren, um Blaulicht auszuweichen

Ein weiterer Grund für einen Einspruch: Der betroffene Fahrer musste bei Rot über die Ampel fahren, um einem Einsatzfahrzeug mit Blaulicht auszuweichen. In diesem Fall ist das Überfahren der roten Ampel erlaubt, wenn dadurch keine anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet werden.

Lassen sich Punkte, Bußgeld oder ein Fahrverbot verhindern?

Machen Sie den kostenfreien und unverbindlichen Test.

Jetzt kostenlos prüfen

Quelle:

¹ Gesetze im Internet (o.J.) Straßenverkehrs-Ordnung. Ordnungswidrigkeiten, in: https://www.gesetze-im-internet.de/stvo_2013/__49.html, Aufgerufen am 03.04.2020.

Ratgeber 2019: Die Neuerungen im Verkehrsrecht auf einen Blick 2020: Die Neuerungen im Bußgeldkatalog Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren - was ist zu beachten? Abstandsverstoß im Bußgeldkatalog 2020: Rechner, Punkte, Fahrverbote Alkohol und Drogen am Steuer: Das sind die Konsequenzen Allgemeine Verkehrskontrolle der Polizei Anhörungsbogen: Mit Mustervorlage richtig ausfüllen Anschnallpflicht im deutschen Straßenverkehr Bahnübergänge Beleidigung im Straßenverkehr: Was kostet das? Betriebserlaubnis und Versicherungsschutz von Fahrzeugen Bußgeldbescheid erhalten? Einspruch einlegen und Kosten sparen! Die Busspur Die Einbahnstraße E-Scooter: Zulassung, Verkehrsregeln, Bußgelder Fahrverbot und Entzug der Fahrerlaubnis: Was ist der Unterschied? Führerschein: Regelung der Fahrerlaubnis in Deutschland und der EU Geblitzt worden? Mobile und stationäre Blitzer oft fehlerhaft Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts und außerorts im Bußgeldkatalog 2020 Halten und Parken StVO-Novelle: Die neuen Bußgelder Handy am Steuer – Welche Strafe droht? Motorräder: Spezielle Verkehrsregeln für Motorradfahrer? Nummernschilder für Kraftfahrzeuge in Deutschland Personenbeförderung privat oder gewerblich Pkw mit Anhänger: Ladungslast und Tempolimit Probezeit: Punkte und Fahrverbote gefährden Führerschein Punkte in Flensburg im neuen Bußgeldkatalog 2020 Rechtsschutz sofort ohne Wartezeit bei Ordnungswidrigkeiten Rotlichtverstoß: Rote Ampel überfahren und geblitzt worden? Vorfahrtsregeln im Straßenverkehr Zebrastreifen: korrektes Verhalten der Verkehrsteilnehmer Zeugenfragebogen erhalten: Was ist zu beachten? Überholen StVO: Wo ist es verboten?