Audi-Abgasskandal: Auch Benziner enthält unzulässige Abschalteinrichtung

Auf den Diesel-Abgasskandal scheint nun der Benzin-Abgasskandal zu folgen. Ein Gerichtsgutachten fand heraus, dass sich im Benzin-Motor eines Audi eine Abschalteinrichtung befindet – so wie in zahlreichen Diesel-Fahrzeugen, die bereits zurückgerufen werden mussten. Interne VW-Unterlagen, die den Medien zugespielt worden sind, erhärten diesen Verdacht zusätzlich.

Dem SWR liegt ein aktuelles Gerichtsgutachten vor, das im Rahmen einer Klage gegen Audi vor dem Landgericht Offenburg erstellt wurde. Darin geht es um einen Audi Q5 TFSI 2.0 der Abgasnorm Euro 6 aus dem Baujahr 2015. Der Gutachter führte mehrere Abgastests beim Audi Q5 mit Ottomotor durch. Diese Tests ergaben, dass sich die Abgasreinigung unter Laborbedingungen anders verhielt als im realen Fahrbetrieb. Wurde das Lenkrad kaum bewegt – wie auf dem Prüfstand – wurden die Abgase gereinigt. Schlug der Fahrer das Lenkrad des Audi Q5 jedoch ein, wurde die Abgasreinigung gedrosselt und der Wagen stieß mehr Schadstoffe aus. Die Lenkwinkelerkennung als eine Version der Zykluserkennung ist eine Abschalteinrichtung, die bereits in diversen Dieselmotoren entdeckt wurde – unter anderem auch in VW- Modellen und Fahrzeugen der Konzerntochter Audi.

Ihr Auto könnte vom Abgasskandal betroffen sein?

Lassen Sie sich kostenlos und unverbindlich beraten!

Jetzt Kontakt aufnehmen  

Audi Q5 mit EA 888 Ottomotor hält Grenzwerte nicht ein

Laut Gutachten stieg der Ausstoß an Stickoxiden um 24 Prozent und an Kohlenmonoxid um 60 Prozent an, wenn das Lenkrad eingeschlagen wurde. Das bedeutet: Auf dem Prüfstand fuhrt der Audi Q5 mit Benzin-Motor im sauberen Testmodus, im Straßenverkehr war er jedoch deutlich dreckiger unterwegs. Auf der Straße konnte der Audi Q5 den gesetzlichen Grenzwert für gesundheitsschädliche Stickoxide nicht einhalten: Statt der für Euro 6 Benziner erlaubten 60 mg/km setzte der Wagen mehr als 80 mg/km frei. Insgesamt lag der Emissionsausstoß sogar 300 Prozent über den Herstellerangaben von Audi.

VW-interne Dokumente belegen Zykluserkennung

Die Ergebnisse des Gerichtsgutachtens werden durch interne Dokumente von VW-Juristen, die ebenfalls dem SWR vorliegen, unterstützt. Darin heißt es, das sich die Schaltung des Automatikgetriebes AL 551 – wie es im Audi Q5 verbaut ist – verändert, wenn das Lenkrad nicht eingeschlagen wird. Dadurch sinke der Schadstoffausstoß während des Abgastests. In den Papieren ist auch von einer „zyklusnahen Bedatung“ die Rede – eine Umschreibung für die Zykluserkennung oder Prüfstandserkennung. So werde das Warmlaufprogramm für die Abgasreinigung während eines Prüfzykluses mit einem Lenkwinkeleinschlag von unter 15 Grad aktiviert, im Straßenbetrieb jedoch „so gut wie nie“, heißt es im Dokument.

Weiter steht in der internen Bewertung, dass die „Konkrete Lenkwinkelerkennung“ den „Behörden nicht bekannt“ sei. Tatsächlich gab das Bundesverkehrsministerium dem SWR gegenüber an, dass das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) bisher keine unzulässigen Abschalteinrichtungen in Benzinfahrzeugen gefunden habe. Konkrete Fragen zur Lenkwinkelerkennung in Fahrzeugen mit Ottomotoren beantworteten jedoch weder das Bundesverkehrsministerium noch das KBA. Audi wollte dem SWR gegenüber gar keinen Kommentar zu den Ergebnissen des Gutachtens abgeben.

Abschalteinrichtung auch in Benzin-Motor illegal?

Abschalteinrichtungen sind illegal, wenn sie sich auf die Abgasreinigung auswirken, so urteilte in diesem Jahr der Bundesgerichtshof. Das bedeutet also, dass die vom Gutachter entdeckte Lenkwinkelerkennung im Audi Q5 mit Benzin-Motor ebenfalls unzulässig sein müsste. Auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) beschäftigt sich aktuell mit dem Abgasskandal und der Frage, ob Abschalteinrichtungen gegen EU-Recht verstoßen. Die zuständige Generalanwältin hält Abschalteinrichtungen, die die Abgaswerte beeinflussen, grundsätzlich für illegal. Das Urteil der EuGH-Richter steht noch aus.

Kontakt zur Kanzlei VON RUEDEN

Fahren Sie einen Audi mit Benzin-Motor? Melden Sie sich gern bei uns. Wir prüfen, ob auch Sie Ansprüche gegen den Hersteller geltend machen können – so wie bereits tausende Dieselfahrer im Abgasskandal. Rufen Sie uns unter 030 – 200 590 770 an, schreiben Sie eine Mail an info@rueden.de oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Die Erstberatung ist unverbindlich und kostenlos!

Ihr Auto könnte vom Abgasskandal betroffen sein?

Lassen Sie sich kostenlos und unverbindlich beraten!

Jetzt Kontakt aufnehmen