Abstandsverstoß im Bußgeldkatalog 2020: Rechner, Punkte, Fahrverbote

Ein ausreichender Sicherheitsabstand innerorts und außerorts zwischen den Fahrzeugen kann schwere Auffahrunfälle vermeiden. Halten Fahrer einen großzügigen Abstand zu den Kfz um sich herum, haben alle Verkehrsteilnehmer ausreichend Platz. Der Abstand ermöglicht dem Fahrer gleichzeitig, auf diverse Verkehrssituationen rechtzeitig reagieren zu können.

Das Unterschreiten des vorgegebenen Sicherheitsabstandes birgt große Gefahren, da unter Umständen Zeit und Strecke fehlen, um die richtige Entscheidung bei plötzlichen Situationsveränderungen im Straßenverkehr zu treffen. Daher sind alle Verkehrsteilnehmer dazu verpflichtet, vorgegebene Abstände zum voranfahrenden Fahrzeug einzuhalten. Da viele Unfälle von Fahranfängern verursacht werden, sind Fahrer, die sich noch in der Probezeit befinden, besonders angehalten, stets auf den richtigen Sicherheitsabstand zu achten. Der richtige Abstand richtet sich dabei nach dem Fahrzeug, der Geschwindigkeit und dem Gebiet, indem ein Fahrzeug unterwegs ist: innerhalb oder außerhalb einer geschlossenen Ortschaft.

Viele Unfälle geschehen aufgrund eines nicht ausreichenden Sicherheitsabstands.

Gründe für eine Unterschreitung des Sicherheitsabstandes können eine bewusste Nötigung, Selbstüberschätzung der eigenen fahrerischen Fähigkeiten oder die Fehleinschätzung der eigenen Reaktionsschnelligkeit sein. Das dichte Auffahren – das umgangssprachliche Drängeln – zählt zu einer der häufigsten Unfallursachen im Straßenverkehr. Die Bundesstatistik aus dem Jahr 2018 weist gut 51.000 Unfälle aus, die aus einem ungenügenden Sicherheitsabstand resultierten und bei denen Personen zu Schaden kamen.¹ Wird die Missachtung des Sicherheitsabstandes festgestellt, muss der betreffende Fahrer mit Strafen rechnen, die von Geldbußen bis zu Fahrverboten reichen.

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Wie groß muss der Sicherheitsabstand zum vorderen Fahrzeug sein?

Zu den typischen Unfällen im Straßenverkehr zählt das Auffahren auf den Vordermann. Um dies zu verhindern, fordert die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) alle Verkehrsteilnehmer dazu auf, einen Sicherheitsabstand zum vorderen Fahrzeug einzuhalten. Nach § 4 Abs. 1 StVO muss der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug so groß sein, dass auch dann hinter diesem gehalten werden kann, wenn es plötzlich bremst.² Diese Regel gilt auch für Radfahrer im Verhältnis zu einem vorausfahrenden Fahrzeug oder Fahrrad. Die Pflicht zu einem ausreichenden Sicherheitsabstand zum Vordermann betrifft grundsätzlich nur das vorausfahrende Fahrzeug auf dem gleichen Fahrstreifen. Schert beispielsweise der Vordermann zum Überholen auf einen anderen Fahrstreifen aus, so gilt die Pflicht zum ausreichenden Abstand gegenüber diesem Fahrzeug nicht mehr.

Wie groß der Sicherheitsabstand im Einzelfall sein muss, hängt von der Fahrgeschwindigkeit und den Verkehrsverhältnissen ab. So wird bei der notwendigen Länge des Sicherheitsabstandes unterschieden, ob das Fahrzeug innerorts oder außerorts unterwegs ist.

Sicherheitsabstand innerhalb geschlossener Ortschaften

Der Mindestabstand zum voranfahrenden Fahrzeug oder Radfahrer innerhalb einer geschlossenen Ortschaft sollte gleich der in einer Sekunde gefahrenen Strecke sein. Das bedeutet: Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h sollte der Abstand 15 Meter oder drei PKW-Längen betragen. Der einzuhaltende Sicherheitsabstand für LKW muss im Vergleich zum PKW noch größer ausfallen, da LKW ein höheres Gewicht von meist mehreren Tonnen transportieren und dadurch einen längeren Bremsweg haben. Dieser Bremsweg wird zusätzlich vom Gewicht der Ladung des LKW beeinflusst und verlangt so einen deutlich längeren Sicherheitsabstand zu voranfahrenden Verkehrsteilnehmern.

Sicherheitsabstand außerhalb geschlossener Ortschaften

Außerhalb geschlossener Ortschaften fahren Fahrzeuge meist mit einer höheren Geschwindigkeit als in Städten und Gemeinden. Daher ist außerörtlich ein größerer Sicherheitsabstand nötig. Außerhalb von Orten, wie etwa auf Autobahnen oder auf Landstraßen, sollte der Abstand gleich der in zwei Sekunden gefahrenen Strecke betragen. Diese Abstandsregel für PKW wird auch als „Abstand gleich halber Tachowert“ bezeichnet. Bei einer Fahrt von 100 km/h gilt dementsprechend ein Sicherheitsabstand von mindestens 50 Metern zum Vordermann. LKW mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 3,5 t und Busse, die schneller als 50 km/h fahren, müssen auf Autobahnen gegenüber vorausfahrenden Fahrzeugen einen Mindestabstand von 50 Metern einhalten.

Wie groß soll der Sicherheitsabstand beim Überholen sein?

Der Mindestsicherheitsabstand im Straßenverkehr sollte eingehalten werden, um sich und andere Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden.

Ein Fahrzeugführer muss auch beim Überholen auf einen ausreichenden Seitenabstand zum zu überholenden Fahrzeug achten. Der jeweils nötige Sicherheitsabstand hängt dabei vom anderen Verkehrsteilnehmer ab. Bei einem Motorrad, Fahrrad oder Elektro-Tretroller, die zu den einspurigen Fahrzeugen gehören, sowie zu Fußgängern muss laut aktuellem Bußgeldkatalog ein Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern eingehalten werden. Gegenüber PKW oder Lastwagen sollte mindestens ein Meter Abstand beim Überholen bestehen. Der Sicherheitsabstand zu wartenden Linienbussen muss noch größer sein: mindestens zwei Meter. Der Abstand zur Seite ist nicht nur abhängig von den jeweiligen Verkehrsteilnehmern, sondern auch von der gefahrenen Geschwindigkeit. Grundsätzlich sollte der Abstand mit steigendem Tempo erhöht werden, da schon geringe Lenkfehler zum Verlassen der Spur führen können.

Wie kann ich meinen Sicherheitsabstand selbst berechnen?

Eine Strafe wegen eines Abstandsverstoßes oder gar einen Auffahrunfall sollte jeder Verkehrsteilnehmer vermeiden, indem der Mindestabstand jederzeit eingehalten wird. In der Regel bilden der zu erwartende Bremsweg und die Reaktionszeit den Anhalteweg:

Bremsweg + Reaktionsweg = Anhalteweg

Daraus ergibt sich der einzuhaltende Mindestsicherheitsabstand. Eine genaue Berechnung ist während der Fahrt aber quasi unmöglich. Daher empfiehlt es sich, die Faustformel „Mindestabstand gleich halber Tachowert“ zu befolgen. Viele Fahrzeuge verfügen bereits über Assistenzsysteme, die den Fahrer bei Unterschreitung des Sicherheitsabstandes warnen. Ein Fahrzeugführer sollte sich jedoch nicht ausschließlich auf das Assistenzsystem verlassen. Die Verantwortung verbleibt weiterhin beim Fahrer selbst.

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Methoden der Abstandsmessung

Bevor den Verkehrsteilnehmer eine Sanktion wegen eines Abstandsverstoßes treffen kann, muss eine nachgewiesene Abstandsmessung vorliegen. Anders als bei einer Tempokontrolle werden keine Blitzeranlagen verwendet. Die Polizei bedient sich hierbei verschiedenen Methoden und Systemen, um die Abstände messen zu können. In der Praxis werden häufig diese vier Messverfahren angewandt:

Toleranzabzüge bei der Feststellung von Abstandsverstößen

Bei einer mobilen Abstandsmessung wird üblicherweise ein Toleranzwert von circa fünf Prozent abgezogen. Dieser Abzug erfolgt vorsorglich, da Messfehler nie ausgeschlossen werden können. Ungenauigkeiten bei der Abstandsmessung resultieren jedoch nicht nur aus den Messgeräten, sondern können auch durch Bedienungsfehler von den Polizeibeamten auftreten. Der größte Toleranzabzug erfolgt bei einer optischen Abstandsmessung ohne technische Hilfsmittel. Aufgrund der möglicherweise sehr hohen Ungenauigkeit erfolgt ein Abzug von mindestens 35 Prozent. Einige Toleranzabzüge können automatisch durch die Software des Messgerätes erfolgen. In einigen Fällen wird der Toleranzwert nachträglich durch die Polizeibeamten abgezogen. Auch die Gerichte können bei einer Verhandlung den Wert subtrahieren.

Abstandsverstoß: Bußgeld, Punkte & Fahrverbote

Wird der vorgegebene Sicherheitsabstand im Straßenverkehr nicht eingehalten und der Fahrzeugführer dabei beobachtet, können Bußgelder, Punkte in Flensburg oder sogar Fahrverbote als Strafe drohen. Konkrete Regelungen zu Abstandsverstößen finden sich im Bußgeldkatalog. Die Höhe des Bußgeldes richtet sich dabei nach der gefahrenen Geschwindigkeit, während der der erforderliche Sicherheitsabstand nicht eingehalten wurde. Zudem beeinflusst die Konsequenz des begangenen Abstandsverstoßes die Höhe der Strafe: Die Gefährdung von Personen oder einer Sache zieht ein höheres Bußgeld nach sich.

TatbestandBußgeldPunkteFahrverbot
Abstandsverstoß bei weniger als 80 km/h25 €
… mit Gefährdung30 €
… mit Sachbeschädigung35 €
Abstandsverstoß mit mehr als 80 km/h
… Abstand weniger als 5/10 des halben Tachowertes75 €1
… Abstand weniger als 4/10 des halben Tachowertes100 €1
… Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes160 €1
… Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes240 €1
… Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes320 €1
Abstandsverstoß mit mehr als 100 km/h
… Abstand weniger als 5/10 des halben Tachowertes75 €1
… Abstand weniger als 4/10 des halben Tachowertes100 €1
… Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes160 €21 Monat
… Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes240 €22 Monate
… Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes320 €23 Monate
Abstandsverstoß mit mehr als 130 km/h
… Abstand weniger als 5/10 des halben Tachowertes100 €1
… Abstand weniger als 4/10 des halben Tachowertes180 €1
… Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes240 €21 Monat
… Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes320 €22 Monate
… Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes400 €23 Monate
TatbestandBußgeldPunkteFahrverbot
Abstandsverstoß bei weniger als 80 km/h25 €
… mit Gefährdung30 €
… mit Sachbeschädigung35 €
Abstandsverstoß mit mehr als 80 km/h
… Abstand weniger als 5/10 des halben Tachowertes75 €1
… Abstand weniger als 4/10 des halben Tachowertes100 €1
… Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes160 €1
… Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes240 €1
… Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes320 €1
Abstandsverstoß mit mehr als 100 km/h
… Abstand weniger als 5/10 des halben Tachowertes75 €1
… Abstand weniger als 4/10 des halben Tachowertes100 €1
… Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes160 €21 Monat
… Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes240 €22 Monate
… Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes320 €23 Monate
Abstandsverstoß mit mehr als 130 km/h
… Abstand weniger als 5/10 des halben Tachowertes100 €1
… Abstand weniger als 4/10 des halben Tachowertes180 €1
… Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes240 €21 Monat
… Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes320 €22 Monate
… Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes400 €23 Monate

Die Strafen können durch die Polizei während einer Verkehrskontrolle verhängt werden, nachdem das Fahrverhalten des Verkehrsteilnehmers dafür Anlass gegeben hat. Sie kann aber auch in einem per Post verschickten Bußgeldbescheid angekündigt werden – zum Beispiel, wenn durch stationäre Abstandsmessverfahren ein Verstoß festgestellt wurde.

Abstandsverstoß laut StVO: Einspruch einlegen?

Wurde die Unterschreitung des Sicherheitsabstandes festgestellt, folgt der Bußgeldbescheid. Nach Bekanntgabe der entsprechenden Strafe kann vom Betroffenen Einspruch gegen den Bußgeldbescheid erhoben werden. Sinnvoll kann ein solcher Einspruch in folgenden Fällen sein:

  • Messfehler
  • Eingeschertes Fahrzeug
  • Bremsmanöver

Natürlich benötigt der betroffene Fahrer entsprechende Beweise, um mögliche Fehler in der Abstandsmessung nachzuweisen. Dazu gehören zum Beispiel die Videoaufnahmen und Messprotokolle der Polizei. Gerade bei drohenden Fahrverboten empfiehlt es sich, einen Rechtsanwalt aufzusuchen, der die Beweismittel auf mögliche Fehler hin untersuchen kann.

Messfehler

Sind bei der Messung des Sicherheitsabstandes Fehler aufgetreten, kann ein Einspruch gegen den versendeten Bußgeldbescheid erfolgreich sein. Messfehler können dabei aus unterschiedlichen Gründen auftreten:

  • Durch ein hohes Verkehrsaufkommen kann es zu Messfehler kommen.
  • Die Aufstellhöhe des Messgerätes wurde nicht eingehalten.
  • Die Pass- und Kontrollpunkte wurden nicht ordnungsgemäß eingerichtet.
  • Ein Referenzvideo liegt nicht mehr vor oder entspricht nicht der Messstrecke.
  • Während des laufenden Messbetriebs hat ein Wackeln der Kamera stattgefunden.
  • Das falsche Fahrzeug wurde mit dem Blitzer abgelichtet.
  • Die Eich-Plakette des Messgeräts ist abgelaufen.
  • Das Messgerät wurde durch das Personal inkorrekt bedient.

Besteht der Verdacht, dass ein Messfehler vorliegt, lohnt es sich, einen Anwalt für Verkehrsrecht hinzuzuziehen. Ein Anwalt erhält umfassende Akteneinsicht, kann dadurch Messfehler entdecken und dann begründeten Einspruch gegen den Bußgeldbescheid erheben.

Eingeschertes Fahrzeug

Der Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid kann zudem Erfolg haben, wenn der betreffende Fahrzeugführer keine Schuld am zu geringen Sicherheitsabstand zum Vordermann hat. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein anderes Fahrzeug dicht vor dem Fahrer einschert und der Abstand zwischen den beiden Fahrzeugen dadurch sehr gering ist. Erfolgte das Einscheren plötzlich und ohne Vorankündigung, kann ein Einspruch erfolgreich sein.

Bremsmanöver

Ähnlich wie bei einem eingescherten Fahrzeug kann ein Fahrer auch Einspruch erheben, wenn er den nötigen Sicherheitsabstand nicht einhalten konnte, weil das vorausfahrende Fahrzeug abrupt abgebremst hat. Diese Bremsung muss dabei plötzlich und ohne erkennbaren Grund vollzogen worden sein. Das konnte der betreffende Fahrer dann nicht absehen und trägt an einem stark verringerten Sicherheitsabstand keine Schuld.

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Quellen:

¹ Destatis (2019) Verkehrsunfälle. Fehlverhalten der Fahrzeugführer bei Unfällen mit Personenschaden, in: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Verkehrsunfaelle/Tabellen/fehlverhalten-fahrzeugfuehrer.html, Aufgerufen am 14.01.2020.

² Gesetze im Internet (o.J.) Straßenverkehrs-Ordnung. Abstand, in: https://www.gesetze-im-internet.de/stvo_2013/__4.html, Aufgerufen am 14.01.2020.