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VON RUEDEN Rechtsanwälte

Verkehrsrecht

Bußgeldbescheid nicht erhalten: Was jetzt?

Bußgeldbescheid nicht erhalten? Entscheidend ist die wirksame Zustellung. Das gilt für Einspruchsfrist, Wiedereinsetzung, Verjährung und Mahnung.

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Kurz gesagt: Ein Bußgeldbescheid ist nicht allein deshalb unwirksam, weil der Betroffene ihn nicht persönlich gelesen oder tatsächlich in den Händen gehalten hat. Entscheidend ist, ob und wann er nach dem anwendbaren Zustellungsrecht wirksam zugestellt wurde. Nach § 51 Absatz 1 und 2 OWiG wird der Bescheid zugestellt; bei Bundesbehörden gilt das Verwaltungszustellungsgesetz, sonst das entsprechende Landesrecht. Die zweiwöchige Frist nach § 67 Absatz 1 OWiG knüpft an die wirksame Zustellung an. Deshalb sollten Zustellungsart, Zustellungsdatum und Zustellungsnachweis geprüft werden. Der Überblick zum Bußgeldbescheid ordnet das Verfahren ein; der Beitrag zum Einspruch gegen den Bußgeldbescheid zeigt den nächsten Verfahrensschritt.

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Verjährungsfristen beim Bußgeldbescheid

Die früher verbreitete pauschale Aussage, Verkehrsordnungswidrigkeiten verjährten stets nach drei Monaten, entspricht nicht mehr dem aktuellen Gesetzesstand. Für Ordnungswidrigkeiten nach § 24 Absatz 1 StVG beträgt die Verfolgungsverjährung nach dem derzeitigen § 26 Absatz 3 StVG sechs Monate; für bestimmte andere Verkehrsverstöße gelten besondere Fristen. Nach § 31 Absatz 3 OWiG beginnt die Verjährung grundsätzlich mit Beendigung der Handlung. Das ist keine starre Frist, innerhalb der ein Brief tatsächlich gelesen sein muss. Maßgeblich sind der konkrete Tatbestand im Bußgeldkatalog und mögliche Unterbrechungen; mehr dazu erklärt die Seite zur Verjährung im Bußgeldverfahren.

Welche Handlungen die Verjährung unterbrechen, regelt § 33 OWiG. Dazu können etwa die erste Vernehmung oder die Bekanntgabe des Ermittlungsverfahrens gehören. Der Erlass des Bußgeldbescheids unterbricht nur dann bereits mit seinem Erlass, wenn der Bescheid binnen zwei Wochen zugestellt wird; andernfalls ist die Zustellung maßgeblich. Nach einer Unterbrechung beginnt die Frist grundsätzlich neu. Auch eine nach vorläufiger Einstellung wegen Abwesenheit angeordnete Aufenthaltsermittlung kann erfasst sein – nicht aber unterschiedslos jede beliebige Adressabfrage. Wer erst durch eine Mahnung von dem Vorgang erfährt, sollte daher nicht allein aus dem fehlenden Brief auf Verjährung schließen. Nach § 66 Absatz 2 Nummer 1 OWiG enthält der Bescheid den Hinweis auf Rechtskraft und Vollstreckbarkeit bei ausbleibendem Einspruch; vollstreckbar sind Bußgeldentscheidungen nach § 89 OWiG erst mit Rechtskraft. Fehlender tatsächlicher Zugang beseitigt die Geldbuße also nicht automatisch, beweist aber ebenso wenig automatisch eine wirksame Zustellung oder Rechtskraft.

Umzug oder voller Briefkasten: Zustellung im Einzelfall prüfen

Ist der Bußgeldbescheid nicht zustellbar, kann es dennoch zu Mahnungen kommen.

Bei einer Bundesbehörde kann die Postzustellung mit Zustellungsurkunde nach § 3 VwZG erfolgen; die Vorschrift verweist für die Ausführung auf §§ 177 bis 182 ZPO. Eine persönliche Übergabe ist dabei nicht immer erforderlich. Unter den Voraussetzungen des § 180 ZPO gilt das Schriftstück mit dem Einlegen in einen zur Wohnung oder zum Geschäftsraum gehörenden, für sicheren Postempfang geeigneten Briefkasten als zugestellt. Ist auch das nicht möglich, kann eine Niederlegung nach § 181 ZPO in Betracht kommen; das Schriftstück gilt dann mit der Abgabe der vorgeschriebenen schriftlichen Mitteilung als zugestellt. Die Zustellungsurkunde nach § 182 ZPO dokumentiert unter anderem Art, Ort und Datum der Zustellung. Ob die gesetzlichen Voraussetzungen im konkreten Fall erfüllt waren, lässt sich deshalb nicht allein mit dem Satz „Ich habe den Brief nicht gesehen“ oder umgekehrt mit einem pauschalen Verweis auf die Urkunde beantworten.

Wichtig: Umzug, fehlender Name oder ein voller Briefkasten führen weder automatisch zur Wirksamkeit noch automatisch zur Unwirksamkeit der Zustellung. Beim bundesrechtlichen Einschreiben gilt nach § 4 Absatz 2 VwZG grundsätzlich eine Vier-Tage-Vermutung; sie gilt nicht, wenn das Dokument nicht oder erst später zugeht. Im Zweifel muss die Behörde Zugang und Zeitpunkt nachweisen. Lässt sich eine formgerechte Zustellung nicht nachweisen oder wurden zwingende Vorschriften verletzt, kann ein tatsächlicher Zugang den Mangel nach § 8 VwZG erst zu diesem Zeitpunkt heilen. Ist der Aufenthaltsort unbekannt und eine Zustellung an einen Vertreter oder Zustellungsbevollmächtigten nicht möglich, erlaubt das Bundesrecht unter den engen Voraussetzungen des § 10 VwZG auch eine öffentliche Zustellung; das Dokument gilt dort zwei Wochen nach Bekanntmachung der Benachrichtigung als zugestellt. Bei Landesbehörden muss jeweils das einschlägige Landeszustellungsrecht geprüft werden.

Bußgeldbescheid wegen Urlaub nicht erhalten

War der Bescheid wirksam zugestellt und wurde die Einspruchsfrist etwa wegen eines längeren Urlaubs oder eines Krankenhausaufenthalts versäumt, kommt eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand in Betracht. Über § 52 OWiG gelten hierfür insbesondere §§ 44, 45 und 47 StPO entsprechend. Voraussetzung ist nach § 44 StPO, dass die Frist ohne eigenes Verschulden versäumt wurde. Nach § 45 StPO muss der Antrag binnen einer Woche nach Wegfall des Hindernisses gestellt werden. Die Tatsachen zur Begründung sind bei der Antragstellung oder im Verfahren über den Antrag glaubhaft zu machen; innerhalb der Antragsfrist ist die versäumte Handlung nachzuholen. Ein Urlaub oder Krankenhausaufenthalt führt deshalb nicht automatisch zum Erfolg – die Umstände des Einzelfalls sind entscheidend.

Der Antrag auf Wiedereinsetzung lässt Mahngebühren nicht automatisch entfallen und setzt die Vollstreckung nicht von selbst aus. Nach § 47 StPO hemmt der Antrag die Vollstreckung einer gerichtlichen Entscheidung nicht; ein Aufschub kann angeordnet werden. § 52 Absatz 2 OWiG weist die Entscheidung über Wiedereinsetzung und Vollstreckungsaufschub im behördlichen Verfahren der Verwaltungsbehörde zu. Wird Wiedereinsetzung gewährt, wird die versäumte Verfahrenshandlung behandelt, als wäre sie rechtzeitig erfolgt – die Einspruchsfrist beginnt aber nicht einfach ohne Weiteres vollständig „von Neuem“.

Ist der Bescheid auf dem Postweg verloren gegangen oder aus dem Briefkasten abhandengekommen, muss zuerst zwischen fehlender wirksamer Zustellung und einer wirksamen Ersatz- oder öffentlichen Zustellung ohne tatsächliche Kenntnis unterschieden werden. Die Nachweislage hängt von der Zustellungsart ab; eine pauschale Beweislast „immer beim Empfänger“ gibt die Rechtslage nicht zutreffend wieder. Praktisch sollten der Tag der ersten Kenntnis, Umschläge und Schreiben gesichert, bei der Behörde unverzüglich Bescheidkopie und Zustellungsnachweis angefordert und Einspruch sowie ein gegebenenfalls nötiger Wiedereinsetzungsantrag fristwahrend angebracht werden. Die Akte zeigt, welche Zustellungsart dokumentiert und welche verjährungsunterbrechenden Handlungen vermerkt sind.

Bußgeldbescheid: Verwarnung nicht erhalten

Bei geringfügigen Ordnungswidrigkeiten kann die Behörde nach § 56 OWiG eine Verwarnung aussprechen und ein Verwarnungsgeld von 5 bis 55 Euro erheben. Wirksam wird sie nur, wenn der Betroffene nach Belehrung einverstanden ist und sofort oder innerhalb der behördlich bestimmten Frist zahlt; diese Frist soll eine Woche betragen, nicht zwei Wochen. Wird eine Verwarnung nicht erteilt, nicht rechtzeitig übermittelt oder nicht fristgerecht angenommen und bezahlt, besteht kein allgemeiner Anspruch auf eine nachträgliche Erledigung zum Verwarnungsgeld. Die Behörde kann das reguläre Bußgeldverfahren fortführen; ein späterer Bußgeldbescheid enthält nach § 107 OWiG Gebühren und gegebenenfalls Auslagen. Ob die Verwarnung tatsächlich angeboten und fristgerecht bezahlt wurde, ist von der Zustellung eines späteren Bußgeldbescheids zu trennen.

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