Der Audi-Abgasskandal und die Folgen – eine Chronologie

Audi im Abgasskandal: Ein Überblick über die Ereignisse

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Der Dieselskandal gilt als der größte Industrieskandal in der Geschichte der Bundesrepublik. Er hat den VW-Konzern schon mehrere Milliarden Euro gekostet und beschäftigt die Autobranche noch immer. Obwohl Audi schon seit 2007 mit einer umweltfreundlichen Dieseltechnik für Pkw wirbt, spielt das VW-Tochterunternehmen im Abgasskandal eine zentrale Rolle. Zuletzt wurde bekannt, dass Audi sogar die Abgasreinigung seiner Benziner manipuliert haben soll.

Den ersten „sauberen“ Diesel mit 3.0 Liter Motor hat Audi 2009 mit dem Q7 in den USA auf den Markt gebracht – etwa zeitgleich mit dem angeblich sauberen VW-Motor EA189 Motor, der in Fahrzeuge von VW, Audi, Seat und Skoda eingebaut und in den USA und Europa verkauft wurde. AdBlue – eine Mischung aus Harnstoff und Wasser – soll die schädlichen Stickoxide in den Emissionen von Dieselmotoren reinigen.

Audi-Abgasskandal: Die Anfänge in den USA

Im November 2015, zwei Monate, nachdem der Abgasskandal in den USA bekannt wurde, hat Audi eingeräumt, in seine Fahrzeuge mit Drei-Liter-Dieselmotoren eine Abschalteinrichtung eingebaut zu haben. Die Autos erschienen damit nur auf dem Prüfstand sauber, während sie im Straßenbetrieb die zulässigen Grenzwerte für die giftigen Stickoxide nicht einhielten.

Im April 2016 hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im Rahmen der „Untersuchungskommission Volkswagen“ Abgasmessungen veröffentlich, der zufolge fast alle Hersteller zweifelhafte Abgaseinrichtungen eingesetzt haben. Audi, Porsche, VW, Daimler und Opel rüsteten daraufhin „freiwillig“ rund 630.000 Autos nach.

2017: Erste „freiwillige“ Softwareupdates

Anfang 2017 gaben VW und Audi gegenüber den US-Behörden zu, Kunden in den USA getäuscht zu haben und haben sich zu Rückkauf oder Umrüstung und Schadenersatz verpflichtet. Allein die Strafen in den USA kosteten die Autokonzerne Milliarden. Kurz darauf hat die Staatsanwaltschaft München die Firmenzentrale von Audi in Ingolstadt durchsucht und wegen des Verdachts auf Betrug und strafbare Werbung ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet.

Im Juni 2017 wurden beim Audi A7 und A8 mit der Euro-Abgasnorm 5 Abgasmanipulationen festgestellt. Audi musste 14.000 Autos in Deutschland zurückrufen. Nach dem Dieselgipfel in Berlin, bei dem Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mitgeteilt hatte, dass 5,3 Millionen Dieselautos in Deutschland mit einer neuen Software weniger Schadstoffe ausstoßen sollen, erklärte Audi sich bereit, bei 850.000 Autos freiwillige Softwareupdates aufspielen zu lassen.

2018: Verpflichtende Rückrufe des Kraftfahrt-Bundesamts

Doch mit freiwilligen Maßnahmen war die Sache nicht erledigt: Im Januar 2018 gab es die ersten verpflichtenden Rückrufe des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA). Betroffen sind rund 130.000 V6-Dieselmodelle von Audi. Bei den Audi-Modellen A4, A5, A6, A7, A8, Q5, SQ5 und Q7 mit der Abgasnorm 6 sollen unzulässige Abschaltvorrichtungen verbaut worden sein. Die Staatsanwaltschaft München II führte daraufhin weitere Razzien in der Audi-Zentrale und bei Audi-Mitarbeitern und Vorständen durch.

Wenige Wochen später hegte das KBA den Verdacht, dass auch die Abgasreinigung der Audi-Modelle A6 und A7 manipuliert wurde. Vorstandschef Stadler räumte daraufhin zwar Fehler ein, aber eine Manipulationssoftware sei nicht verbaut worden. Man habe lediglich einen Softwarebaustein für die Motorsteuerung bei den auslaufenden A6- und A7-Modellen nicht entfernt.

Im Juni 2018 warf die Münchener Staatsanwaltschaft Stadler und einem weiteren Vorstandsmitglied „mittelbare Falschbeurkundung“ vor. Audi soll in den USA und Europa mindestens 210.000 Dieselautos mit manipulierter Software verkauft haben. Stadler kam in Untersuchungshaft und Audi musste im Dieselskandal ein Bußgeld in Höhe von 800 Millionen Euro zahlen.

Im November 2018 startet Audi in Deutschland den ersten von insgesamt acht Rückrufen für Fahrzeuge mit V-TDI-Motoren. Vom Audi-Abgasskandal sind bislang bundesweit rund 151.000 Autos betroffen.

2019: Der Audi-Abgasskandal beschäftigt immer mehr Gerichte

Die EU-Kommission verdächtigt BMW, Daimler, Volkswagen, Audi und Porsche, sich bei der Abgasreinigungstechnik abgesprochen und zwischen 2006 und 2014 gegen EU-Kartellvorschriften verstoßen zu haben.

Im Mai 2019 verurteilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart Porsche wegen fahrlässiger Verletzung der Aufsichtspflicht, ein Bußgeld in Höhe von 535 Millionen Euro zu zahlen. Es ging um V6- und V8-Motoren von Audi, die in Dieselfahrzeugen der Porsche AG verbaut wurden. Im Juni erhob die Münchner Staatsanwaltschaft Anklage gegen den früheren Audi-Chef Stadler und drei weitere Beschuldigte.

In der mündlichen Verhandlung zur Musterklage gegen VW, der sich rund 470.000 Dieselfahrer angeschlossen hatten, forderte der Richter, dass sich der Autokonzern auf einen Vergleich einlassen soll. Das Kraftfahrt-Bundesamt ordnete inzwischen einen weiteren Rückruf an: In 65.000 Diesel-Fahrzeugen von Audi und VW mit der Schadstoffklasse Euro 4 und dem leistungsstärkerem 3-Liter-Motor wurde laut der Behörde ebenfalls eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut. Auch vier Jahre nach dem Bekanntwerden der Betrugssoftware reißt die Klageflut am Landgericht Ingolstadt nicht ab. Diesel-Käufer aus dem gesamten Bundesgebiet reichen am Standort des Audi-Konzerns Klage ein.

2020: Auch Benziner vom Audi-Abgasskandal betroffen

Anfang 2020 wurde bekannt, dass mehrere Audi-Mitarbeiter im Herbst 2015 große Mengen Akten vernichtet und entsorgt haben sollen. Auch Dateien wurden offenbar gelöscht.  

Im August 2020 ergaben Recherchen des Südwestrundfunks (SWR), dass laut internen VW-Dokumenten und einem unabhängigen Gutachten auch ein Audi-Modell mit Benzinmotor vom Abgasskandal betroffen ist. In dem Gutachten ging es um einen Audi Q5 TFSI 2.0 mit Euro-6-Norm aus dem Baujahr 2015. Der Dieselskandal könnte sich demnach noch zu einem Benziner-Abgasskandal ausweiten.

Ende September startete vor dem Oberlandesgericht München der Prozess gegen den ehemaligen Audi-Chef Rupert Stadler und drei weitere Angeklagte. Fünf Jahre nach dem Aufdecken des Dieselskandals müssen sich Manager des Volkswagen-Konzerns erstmals vor einem deutschen Gericht verantworten.

Audi-Besitzer können sich wehren

Inzwischen liegen schon Dieselskandal-Urteile vor, nach denen Audi auch für unzulässige Thermofenster beim EA288-Motor Schadensersatz leisten muss – dem Nachfolger des „Skandalmotors“ EA189. Autohersteller dürfen nämlich keine Abschalteinrichtungen nutzen, die gezielt die Abgaswerte auf Prüfständen verbessern. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Dezember 2020 entschieden. Das Urteil dürfte auch für Audi Auswirkungen haben.

Besitzer aktueller Audi-Dieselmodelle können in vielen Fällen noch auf Schadensersatz gegen den Autohersteller oder den Händler klagen. Die Chancen, eine Rückabwicklung gerichtlich durchzusetzen, stehen gut. Viele Betrugsdiesel können zurückgegeben werden und der Kläger bekommt den Kaufpreis erstattet – abzüglich einer Nutzungsentschädigung, die in der Regel deutlich unter dem Wertverlust liegt. Nutzen Sie unsere kostenlose Erstberatung!